Gesundheit ist uns wichtig

Laima Purmale, Dr. Barbara Kölnsperger

v.l.: Lai­ma Pur­ma­le, Dr. Bar­ba­ra Köln­sper­ger

WIR sor­gen uns um SIE, denn bei uns steht der MENSCH im Mit­tel­punkt“

Gesund­heit ist das höchs­te Gut des Men­schen. Ein wich­ti­ges Ziel der CSU Haim­hausen ist es, für ihre Bür­ge­rin­nen und Bür­ger eine best­mög­li­che gesund­heit­li­che Ver­sor­gung sicher zu stel­len. Die CSU Haim­hausen will ihren Ort zukunfts­ori­en­tiert gestal­ten und hat des­halb aktiv am Mehr­zweck­ge­bäu­de mit geplant.

Zu Beginn des Jah­res 2020 soll das Mehr­zweck­ge­bäu­de an der Haupt­stra­ße fer­tig gestellt sein. Das Gebäu­de soll neben den Räu­men des Bür­ger­bü­ros, des Sit­zungs­saals, zwei Arzt­pra­xen ent­hal­ten. In der Orts­mit­te ent­steht somit ein „Gesund­heits­stand­ort“ für das Ärz­te-Team des AVZ, die Zahn­arzt­pra­xis Drs. Kölnsperger/​Dr. Tam­me, sowie des AVZ Pfle­ge­diens­tes.
CSU Orts­vor­sit­zen­de Clau­dia Kops (CK) führ­te mit All­ge­mein­ärz­tin Lai­ma Pur­ma­le (LP) und Zahn­ärz­tin Dr. Bar­ba­ra Köln­sper­ger (BK) über die Rol­le der Land­ärz­te, den nied­ri­gen Kran­ken­stand in Haim­hausen und über ihre Erwar­tun­gen an das neue Ärz­te­haus ein Inter­view.

CK: Sehr inter­es­sant fin­de ich die Sta­tis­tik der AOK Bay­ern 2017. Sie hat gezeigt, dass in Bay­ern der Kran­ken­stand mit 4,6% im Bun­des­ver­gleich auf Platz 2 liegt. Auf Platz 1 liegt mit 4,4% Ham­burg. Im Land­kreis Dach­au ist Haim­hausen mit 4,0% gut auf­ge­stellt. Dass Haim­hausen mit nur 4% Kran­ken­stand so gut da steht, ist sicher auch ein Ver­dienst des All­ge­mein Ärzt­li­chen Ver­sor­gungs­zen­trum Haim­hausen.
In der Sta­tis­tik ist zu sehen, dass die Atem­wegs­er­kran­kun­gen mit 21,4%, Muskel/​Skeletterkrankungen mit 13,1% und Ver­dau­ungs­er­kran­kun­gen mit 12,5% die Krank­heits­ar­ten sind, die am häu­figs­ten zum Kran­ken­stand füh­ren.
Wie kann man die­se drei Berei­che ver­bes­sern? Evtl. durch Imp­fun­gen, Sport­kur­se für Rücken oder Ernäh­rungs­be­ra­tung?

LP: Für Erkäl­tungs­krank­hei­ten gilt: Waschen sie sich regel­mä­ßig und gründ­lich die Hän­de mit Sei­fe und ernäh­ren sie sich gesund und aus­ge­wo­gen. Für Atem­wegs­er­kran­kun­gen gilt: Ver­mei­den sie Niko­tin und mel­den sie sich bes­ten­falls zu einem Ent­wöh­nungs­pro­gramm an. Gegen Mus­kel-/Ske­let­ter­kran­kun­gen ist Bewe­gung, Mus­kel­auf­bau bzw. Rücken­schu­le beson­ders wich­tig, gera­de wenn sie eine sit­zen­de Tätig­keit aus­üben. „Bewe­gung auf Rezept“ ist ein Tipp für Dia­be­tes­pa­ti­en­ten. Lei­der wird Bewe­gung sehr oft nur emp­foh­len und oft weni­ger ernst genom­men. Ver­dau­ungs­er­kran­kun­gen und Stoff­wech­sel­er­kran­kun­gen sind weit ver­brei­tet, auch hier gilt eine gesun­de Lebens­füh­rung und Bewe­gung. Der Impf­schutz ist ein zen­tra­les medi­zi­ni­sches The­ma. Jeder soll­te sei­nen Impf­aus­weis zur Hand neh­men und sei­nen Impf­schutz kon­trol­lie­ren, hier sind wir Ärz­te vom AVZ jeder­zeit behilf­lich. Wir emp­feh­len auch immer eine Imp­fung gegen Pneu­mo­kok­ken im Senio­ren­al­ter.

CK: Es gibt immer mehr Kin­der, die schon im Vor­schul­al­ter unter Kari­es lei­den, gibt es einen Tipp wie man best­mög­lich für sei­ne Zäh­ne vor­sor­gen kann, damit man auch im Alter mög­lichst beschwer­de­frei ist?

BK: Tat­sa­che ist, dass Zahn­pfle­ge, gesun­de Ernäh­rung und mög­lichst wenig Zucker erheb­lich zu einer guten Ver­sor­gung unse­rer Zäh­ne bei­tra­gen. Wir Zahn­ärz­te emp­feh­len den Eltern mit ihren Kin­dern zwi­schen dem zwei­ten und drit­ten Lebens­jahr bei uns vor­bei­zu­kom­men. Bei den ers­ten Besu­chen geben wir ihnen nütz­li­che Tipps und zei­gen ihnen, wie Sie die Mund­ge­sund­heit ihres Kin­des opti­mie­ren kön­nen. Ihre Fra­gen zu den The­men „Schnul­ler, Fla­sche, Anwen­dung von Fluo­ri­den, Zahn­fehl­stel­lun­gen kön­nen wir so recht­zei­tig beant­wor­ten. Durch die regel­mä­ßi­gen Kon­troll­un­ter­su­chun­gen bau­en wir zu ihrem Kind eine ver­trau­ens­vol­le Bezie­hung auf und erken­nen auf­tre­ten­de Pro­ble­me früh­zei­tig.

CK: Was raten Sie Eltern für die Zahn­pfle­ge ihrer Kin­der?

BK: In Haim­hausen haben sehr weni­ge Klein­kin­der Kari­es in ihren Milch­zäh­nen. Es ist rich­tig, dass die gene­ti­sche Dis­po­si­ti­on auch unse­re Zäh­ne bestimmt – zumin­dest als Anla­ge. Tat­sa­che ist, dass etwa Kari­es nicht erb­lich bedingt ist. Kari­es ent­steht auf­grund der indi­vi­du­el­len Lebens­um­stän­de, des­halb emp­feh­len wir mög­lichst wenig zucker­hal­ti­ge Ernäh­rung und grund­sätz­li­ches Zäh­ne­put­zen ab dem ers­ten Zahn; idea­ler­wei­se mit einer Fin­ger­zahn­bürs­te. Für Kin­der und Jugend­li­che zwi­schen dem 6. und 18. Lebens­jahr soll­te die Basis­pro­phy­la­xe, die von den Kran­ken­kas­sen 2x jähr­lich bezahlt wird, auch in Anspruch genom­men wer­den.

CK: Bay­ern möch­te mit einer Quo­te für Medi­zin­stu­den­ten dem Ärz­te­man­gel auf dem Land begeg­nen und hat als eines der ers­ten Bun­des­län­der ein Pro­gramm auf­ge­legt, mit dem die Nie­der­las­sung von Haus­ärz­ten im länd­li­chen Raum geför­dert wird.
Was hal­ten Sie von der geplan­ten Land­arzt­quo­te und was sagen Sie zu der För­de­rung von Haus­ärz­ten im länd­li­chen Raum?

LP: Davon hal­te ich nicht viel. Man kann jun­ge Men­schen nicht zu einer Ent­schei­dung zwin­gen, die sie wäh­rend des Medi­zin­stu­di­ums noch gar nicht über­bli­cken kön­nen. Was ist, wenn sich der Stu­die­ren­de im Lau­fe sei­ner Aus­bil­dung nicht für All­ge­mein­me­di­zin begeis­tert oder viel­leicht doch lie­ber in der For­schung arbei­ten will? Erst wenn der Nach­wuchs­me­di­zi­ner ver­schie­de­ne Prak­ti­ka durch­lau­fen hat, ent­deckt er meist sei­ne per­sön­li­chen Nei­gun­gen. Die bereits exis­tie­ren­den För­der­pro­gram­me soll­ten ver­stärkt aus­ge­baut wer­den. Eine Ver­pflich­tung führt nur noch zu Miss­stän­den. Wir Ärz­te lei­den unter zu viel Büro­kra­tie und haben immer weni­ger Zeit für den Pati­en­ten. Gera­de die­ser „immense Papier­kram“ sorgt auch zuneh­mend dafür, dass es vie­le ange­stell­te Ärz­te davon abhält, eine Pra­xis zu über­neh­men. Nicht nur, aber auch die­se Unge­wiss­heit vor sich lau­fend ändern­den Vor­schrif­ten lässt nie­der­ge­las­se­ne Ärz­te bei Inves­ti­tio­nen immer zurück­hal­ten­der wer­den.

CK: Betrifft der Ärz­te­man­gel auf dem Land nur die Haus­ärz­te oder auch die Zahn­ärz­te?

BK: Ja, auch bei den Zahn­ärz­ten blei­ben seit Jah­ren die Pra­xis­neu­grün­dun­gen kon­stant, wäh­rend sich das Ange­stell­ten­ver­hält­nis unter jun­gen Zahn­me­di­zi­nern immer grö­ße­rer Beliebt­heit erfreut. Um den Anfor­de­run­gen des Qua­li­täts­ma­nage­ments (QM) gerecht zu wer­den, müss­te man fast schon eine Mit­ar­bei­te­rin dafür ein­stel­len, Mit die­sen Vor­schrif­ten sind Land­pra­xen per­so­nell aber auch zeit­lich über­for­dert.

CK: Der Ärzt­li­che Bereit­schafts­dienst wird in Bay­ern bis Ende die­ses Jah­res grund­le­gend refor­miert. Die Neue­run­gen tref­fen auch den Land­kreis Dach­au, dort sol­len sie zum 20. Mai in Kraft tre­ten.
Es heißt, vie­les soll bes­ser wer­den, wird es das tat­säch­lich?

LP: Das wird sich zei­gen! Ich bin im Augen­blick dar­über noch sehr skep­tisch. Im Land­kreis Dach­au wer­den zwei Bereit­schafts­pra­xen instal­liert, jeweils eine in den Heli­os-Kli­ni­ken Dach­au und Inders­dorf. Bis­her hat­ten 7 Ärz­te im Land­kreis Nacht­dienst. In Zukunft wird die­sen Dienst ein Arzt über­neh­men, d.h. die­sen könn­ten lt. Auf­zeich­nun­gen bis zu 14 Ein­sät­ze in der Nacht tref­fen. Die Ärz­te in den Bereit­schafts­pra­xen sol­len durch einen Fah­rer mit Sani­täts­aus­bil­dung im Fahr­dienst unter­stützt wer­den. Auch soll eine Pool-Ärz­te-Bör­se ein­ge­rich­tet wer­den, um im Not­fall auch auf Spe­zia­lis­ten zugrei­fen zu kön­nen. Ich bin von die­sem neu­en Sys­tem noch nicht über­zeugt. Die ers­te Zeit wird bestimmt sehr span­nend. Ob es für den Pati­en­ten bes­ser wird, kann ich im Augen­blick noch nicht sagen, wir müs­sen abwar­ten. Im Augen­blick sind auch noch kei­ne Dienst­plä­ne vor­han­den. Fakt ist, 30 Pro­zent der AVZ Pati­en­ten sind Kin­der. Ich bin sehr gespannt, wie weit der Bereit­schafts­dienst die ärzt­li­che Ver­sor­gung bei unse­ren Jüngs­ten in Zukunft mit abde­cken kann, denn hier­zu braucht es vor­zugs­wei­se Erfah­rung mit Kin­dern und Jugend­li­chen.

CK: Gibt es auch eine Ände­rung im Zahn­ärzt­li­chen Bereit­schafts­dienst?

BK: Beim Zahn­ärzt­li­chen Bereit­schafts­dienst wird es kei­ne Ände­run­gen geben. Alles läuft wie bis­her. Ein Not­dienst ist von Frei­tag­nach­mit­tag bis Sonn­tag­abend ein­ge­teilt. Der Land­kreis ist dies­be­züg­lich gut ver­sorgt. Unse­re Pra­xis ist ein­mal im Jahr ein­ge­teilt.

CK: Ein The­ma das uns immer mehr beschäf­tigt ist die Alters­ar­mut:
Steigt die Lebens­er­war­tung mit dem Ein­kom­men? Wird es sowas wie eine Zwei-Klas­sen-Medi­zin geben?

LP: Die Lebens­er­war­tung steigt nicht mit dem Ein­kom­men. Mit mehr Geld im Port­mo­nee kann man mehr für sei­ne Gesund­heit machen. Aus jet­zi­ger Sicht glau­be und hof­fe ich, dass es kei­ne Zwei-Klas­sen-Medi­zin geben wird. Ein Sys­tem­bruch wie ihn die Gro­Ko anstrebt, wür­de zu einer Ein­heits­kas­se füh­ren und nur Ver­lie­rer erzeu­gen. Dass es zu kei­ner Bür­ger­ver­si­che­rung kom­men wird, wäre sehr wich­tig!

BK: Haim­hausen ist gut situ­iert. Unse­re Senio­ren kön­nen gut ver­sorgt wer­den. Die meis­ten unse­rer Pati­en­ten kön­nen sich für eine höher­wer­ti­ge Ver­sor­gung, die über die Regel­ver­sor­gung hin­aus geht ent­schei­den, da sie sich das leis­ten kön­nen und weil sie sich das wert sind.

CK: 2020 wer­den Sie, das AVZ und die Zahn­arzt­pra­xis gemein­sam in das neue Gebäu­de der Gemein­de ein­zie­hen – wird es in der jewei­li­gen Pra­xis Ver­än­de­run­gen geben? Was kommt Neu­es hin­zu? Kön­nen Sie dazu schon etwas sagen?

LP: Es ist für das AVZ vie­les im Wer­den. Akut-Erkran­kun­gen mit Anste­ckun­gen wer­den räum­lich von den Ter­min­pa­ti­en­ten zukünf­tig getrennt sein, d.h. wir wer­den zwei War­te­zim­mer bekom­men. Die Pra­xis wird schö­ne­re, hel­le­re und vor allem mehr Räu­me bekom­men. Auch wird die neue Pra­xis einen fes­ten Platz für Akku­punk­tur, Osteo­pa­thie sowie Sono­gra­phie bekom­men.

BK: Hel­le, freund­li­che Räu­me in der neu­en Pra­xis tra­gen bestimmt zum Wohl­be­fin­den unse­rer Pati­en­ten bei. Auch freue ich mich über ein grö­ße­res Labor.

CK: Das Anlie­gen der Baye­ri­schen Gesund­heits­mi­nis­te­rin Mela­nie Huml (CSU) ist es, dass die „spre­chen­de Medi­zin“, also die Zeit des Arz­tes mit dem Pati­en­ten bes­ser hono­riert wer­den soll. Was erwar­ten Sie sich ins­ge­samt von der Poli­tik?

Bei­de Ärz­tin­nen waren sich einig, dass sie ger­ne für ihre Pati­en­ten da sind und sich ger­ne die nöti­ge Zeit neh­men, die der Ein­zel­ne braucht. Bei­de waren auch einer Mei­nung, dass die Büro­kra­tie erleich­tert wer­den müs­se. Nie­der­ge­las­se­ne Ärz­te sei­en auch sehr stark in ihren Inves­ti­ti­ons­pla­nun­gen zur Ver­bes­se­rung der Pati­en­ten­ver­sor­gung ein­ge­schränkt, da sie für even­tu­el­le Regress­an­sprü­che oder Hono­rar­rück­zah­lun­gen immer genü­gend Rück­la­gen bil­den müs­sen.

Bei­de glau­ben auch, wenn die „spre­chen­de Medi­zin“ bes­ser hono­riert wer­den wür­de, wäre das auch eine gewis­se Sicher­heit für die nie­der­ge­las­se­nen Ärz­te. Auch fin­den sie es unum­gäng­lich, dass Unsi­cher­hei­ten abneh­men müs­sen. Es müs­sen bes­se­re Mög­lich­kei­ten für die Zukunfts­pla­nung von Ärz­ten ent­wi­ckelt wer­den. Ärz­te haben ja schließ­lich ein finan­zi­el­les Risi­ko.

Bei­de Ärz­tin­nen sind der Mei­nung, dass das „Land­arzt­da­sein“ – die mensch­li­che Bin­dung am Pati­en­ten – etwas sehr Schö­nes ist. Vie­le Gesich­ter sind uns ver­traut und wir beglei­ten die gan­ze Fami­lie von den Groß­el­tern über die Eltern bis zu den Kin­dern.

Das ist ein sehr schö­ner Schluss­satz! Ein herz­li­ches Dan­ke­schön für Ihre genom­me­ne Zeit und dass Sie uns, der CSU Haim­hausen, für das Inter­view zur Ver­fü­gung gestan­den haben.

Ihre Clau­dia Kops