Es ist Zeit für Klartext

Liebe Mit­bür­ge­rin­nen und Mit­bür­ger, wegen der inzwi­schen gefähr­lich ver­lau­fen­den vier­ten Welle der Corona-Pan­de­mie teilen wir diesen Aufruf von Dr. Man­fred Wagner, Ärzt­li­cher Direk­tor und Pan­de­mie­be­auf­trag­ter, Kli­ni­kum Fürth, als  wort­ge­treue Abschrift seiner Video-Stel­lung­nah­me, ver­öf­fent­licht auf Lin­kedIn am 10.11.2021.

Bitte prüfen Sie Ihren Corona-Impf­sta­tus und lassen Sie sich noch feh­len­de Imp­fun­gen zeit­nah in der Arzt­pra­xis, vom mobi­len Impf­team oder im Impf­zen­trum geben. Nutzen Sie ärzt­li­chen Rat. Denken Sie an die bekann­ten Hygie­ne­re­geln und redu­zier­te Kon­tak­te. Seien Sie soli­da­risch mit Ihren Mit­bür­gern und den Men­schen, die im Gesund­heits­we­sen für Sie da sind. Und blei­ben Sie gesund!

Dr. Rupert Deger, CSU-Ortsvorsitzender

Dr. med. Man­fred Wagner: „Was wir hier in den Kli­ni­ken im Moment als vierte Welle erle­ben, ist eine Pan­de­mie der Unge­impf­ten. Hätten wir jetzt eine nahezu voll­stän­di­ge Durch­imp­fung der Bevöl­ke­rung, dann gäbe es die Welle in dieser Form nicht, und das Gesund­heits­we­sen wäre nicht wieder an seiner Belas­tungs­gren­ze oder teil­wei­se darüber.

Aus meiner Sicht lässt sich schon viel zu lange die Mehr­heit der Bevöl­ke­rung in den Bericht­erstat­tun­gen und in den Talk­shows von Quer­den­kern und Wis­sen­schafts­leug­nern mit schrä­gen Argu­men­ta­tio­nen vor sich her­trei­ben. Mit immer neuen und immer unsin­ni­ge­ren und vor allem fal­schen Behaup­tun­gen und Theo­rien werden Men­schen ver­un­si­chert und der ein­fa­che und klare Blick auf die Rea­li­tät geht ver­lo­ren.  Und dazu braucht es auch keine wei­te­ren For­schun­gen, Unter­su­chun­gen, Stu­di­en­ergeb­nis­se – es ist glockenklar:

DER WEG AUS DIESER PANDEMIE IST DIE 
IMPFUNG, UND DIE IMPFUNG HAT EIN EXTREM HOHES MASS AN SICHERHEIT.

Die Gefah­ren und die Neben­wir­kun­gen sind durch eine Infek­ti­on um ein Viel­fa­ches höher, als das, was bei der Imp­fung besteht.

Keine reine Privatsache“

Und die Frage, ob ich mich impfen lasse oder nicht, ist keine reine Pri­vat­sa­che, aber die Min­der­heit an Ego­is­ten gibt den Ton an.  Von diesen wird dau­ernd nur gefragt: „Was bringt es für den Ein­zel­nen, sich impfen zu lassen, oder welche Nach­tei­le hat es?“ Es wird pos­tu­liert, dass es eine Ent­schei­dung des Ein­zel­nen sei, das Risiko der Infek­ti­on ein­zu­ge­hen oder nicht. Aber in einer Pan­de­mie geht es um mehr als um den Ein­zel­nen. Eine Pan­de­mie ist keine Pri­vat­sa­che, das Nicht-Impfen von über 20 Pro­zent der erwach­se­nen Bevöl­ke­rung ist keine Pri­vat­sa­che, denn die Ent­schei­dung dieser 20 Pro­zent hat immense Aus­wir­kun­gen auf den Rest der Bevölkerung:

  • Auf den Pati­en­ten mit Herz­in­farkt, der wert­vol­le und wirk­lich über­le­bens­ent­schei­den­de Minu­ten im Ret­tungs­wa­gen ver­liert, weil der Weg zum nächs­ten freien Inten­siv­bett ein­fach länger gewor­den ist.
  • Auf die Pati­en­tin mit Eier­stock­krebs, die drin­gend ope­riert werden muss, deren Tumor-Ope­ra­ti­on aber ver­scho­ben werden muss, weil kein Inten­siv­bett frei ist.
  • Auf die Pati­en­tin mit Schlag­an­fall, für die gilt: Time is brain — Zeit ist Gehirn. Also jede Minute ver­zö­ger­ter Kran­ken­haus­ein­wei­sung erhöht das Risiko für eine blei­ben­de Läh­mung oder Behinderung.
  • Für den schwer­kran­ken Pati­en­ten, der län­ge­re Zeit im Kran­ken­haus liegt, oder viel­leicht sogar im Ster­ben liegt und den seine Ange­hö­ri­gen nicht, oder wenn, dann nur kurz sehen können, und beglei­ten können.

Ich könnte mit diesen Bei­spie­len hier endlos wei­ter­ma­chen, und des­halb ist die Ent­schei­dung, sich impfen lassen oder nicht, eben keine reine Privatsache.

Die Frei­heit des Ein­zel­nen hört dort auf, wo sie die Frei­heit des Ande­ren ein­schränkt. Und dieser Punkt ist bei dieser Pan­de­mie und der Frage der Imp­fung lange erreicht.

Mit­ar­bei­ter können nicht mehr“

Wir sind jetzt in der aus meiner Sicht kri­tischs­ten Phase der Pan­de­mie, denn die vierte Welle trifft auf ein Gesund­heits­sys­tem, das aus­ge­laugt ist. Unsere Mit­ar­bei­ter können nicht mehr, können nicht immer noch einmal alle Kräfte zusam­men­raf­fen und wieder durchhalten.

Die Pan­de­mie hat Narben hin­ter­las­sen und wir könn­ten all das ver­hin­dern, wenn sich genü­gend impfen lassen würden.  Und des­halb noch einmal mein drin­gen­der Appell an Sie: Lassen Sie sich nicht von irgend­wel­chen Pseudo-Exper­ten ver­un­si­chern. Die Mei­nung der Wis­sen­schaft ist klar: Die Imp­fun­gen sind der ein­zi­ge und einzig ver­ant­wort­ba­re Weg aus dieser Pan­de­mie. Und des­halb meine, unsere Bitte an Sie:

LASSEN SIE SICH IMPFEN!“

 

Einige Daten zur Corona-Pan­de­mie, abge­le­sen am 11. Novem­ber 2021:

  • Euro­pa­weit hat Deutsch­land laut RKI/​JHU viele Unge­impf­te aller Alters­grup­pen und eine sehr hohe Anzahl von Ansteckungen:

Corona 11. Novem­ber 2021

Unge­impf­te

Inzi­denz

Deutsch­land

30,1%

263,3

Frank­reich

23,9%

98,7

Ita­li­en

22,5%

77,4

Spa­ni­en

18,5%

43,3

  • Bun­des­weit star­ben laut RKI an dem Tag 235 Corona-Erkrank­te, das ent­spricht dem täg­li­chen Absturz eines großen Pas­sa­gier­flug­zeugs; seit Beginn der Pan­de­mie sind 2% aller Infi­zier­ten an oder mit Corona verstorben.
  • Bay­ern­weit infi­zier­ten sich Unge­impf­te 9,8 mal häu­fi­ger als Geimpf­te; laut Lan­des­amt für Gesund­heit lag die 7‑Tage-Inzi­denz pro 100.000 bei 
    • 97,6 für Geimpfte
    • 953,2 für Ungeimpfte.
  • Laut Helios waren im Kli­ni­kum Dachau 14 Corona-Pati­en­ten auf Normal- und 7 Corona-Pati­en­ten auf Inten­siv­sta­ti­on, dane­ben waren nur noch 10 Nicht-Corona-Pati­en­ten auf Intensiv.
  • Unge­impft waren im Kreis Dachau laut Land­rats­amt von 155.000 Ein­woh­nern ca. 50.000 in allen Altersgruppen.
  • Der Anteil Unge­impf­ter an den Corona-Pati­en­ten in sta­tio­nä­rer Behand­lung in Deutsch­land beträgt laut IfW der­zeit 84,5 Prozent.
  • Laut AOK können die Kosten für eine sta­tio­nä­re Corona-Behand­lung stark vari­ie­ren, in ein­fa­chen Fällen bleibt es bei vier­stel­li­gen Beträ­gen, kommt eine Beatmung hinzu, erreicht man pro Fall im Schnitt 34.200 Euro, in der Spitze mehr als 77.700 Euro.