Dachauer Tafel ist „Vollversorger“

Nicht jeder in Deutschland hat sein täglich Brot und das, obwohl es Lebensmittel im Überfluss gibt und unglaublich viel weggeworfen wird.

Die CSU Haim­hausen war mit Clau­dia Kops und Micha­el Nie­der­mair bei Frau Edda Drit­ten­preis, der Lei­te­rin der Dach­au­er Tafel und hat sie inter­viewt.

Edda Drit­ten­preis und Clau­dia Kops

      • Sie haben die Dach­au­er Tafel vor 16 Jah­ren gegrün­det, die Lebens­mit­tel an bedürf­ti­ge Men­schen ver­teilt, seit die­ser Zeit lei­ten Sie auch die Ein­rich­tung. Wie groß ist Ihr Team, wie vie­le Bedürf­ti­ge, auch aus Haim­hausen, haben Sie und wann kön­nen die­se zu Ihnen kom­men?
        Zur Zeit habe ich ein Team von 60 Per­so­nen. Der Alters­durch­schnitt liegt dabei bei 68,9 Jah­ren. Vor 16 Jah­ren haben wir mit 20 Kun­den begon­nen, heu­te sind es 1400. Der Kun­den­kreis besteht aus Rent­nern, Hartz IV-Emp­fän­gern, Gering­ver­die­nern und aner­kann­ten Flücht­lin­gen. Alle kom­men aus dem Land­kreis Dach­au, wobei der Schwer­punkt aus Dach­au und Karls­feld kommt. Aus Haim­hausen haben wir nur sehr weni­ge.
        Wir geben jeden Mitt­woch die Ware an Bedürf­ti­ge aus, sind aber zusätz­lich drei Tage pro Woche im Land­kreis unter­wegs, um die Ware ein­zu­sam­meln. Wer nicht selbst kom­men kann, weil er zu krank oder die Stre­cke zu weit ist, kann die Ware von Bekann­ten abho­len las­sen oder bei­spiels­wei­se über die Cari­tas oder Nach­bar­schafts­hil­fe „belie­fert“ wer­den.
      • Anfang März war auf­grund der Ver­tei­lung der Lebens­mit­tel die “Tafel in Essen“ in die Schlag­zei­len der Medi­en gera­ten – konn­ten Sie das Ärger­nis ver­ste­hen? Wie regeln Sie das in Dach­au?, und mischt sich die Poli­tik zu viel in die­se ehren­amt­li­che Tätig­keit ein?
        Wir hat­ten eine Zeit­lang eine ähn­li­che Situa­ti­on. Dafür ist mir aber mei­ne ehren­amt­li­che Zeit zu wert­voll. Die Pres­se hat damals ganz schön auf uns „rum­ge­hackt“. Aus­sa­gen wie „Wir haben es nötig, … Dach­au, KZ, …“ oder die Ras­sis­mus-Keu­le kamen sehr häu­fig und mei­ne ehren­amt­li­chen Mit­ar­bei­ter wur­den ver­heizt. Dar­auf­hin haben wir vor­über­ge­hend zuge­sperrt. Erst als ich ein Gespräch mit den Poli­ti­kern im Dach­au­er Land­kreis hat­te und die­se Angst hat­ten, dass wir nicht wei­ter machen, hat sich was geän­dert. Jetzt ver­sor­gen wir nur noch aner­kann­te Asy­lan­ten.
        Drän­geln, Schup­sen wie in Essen gibt es bei uns nicht. Wer tei­len unse­re Kun­den in etwa gleich gro­ße Grup­pen ein. Jede Grup­pe hat dann in einem bestimm­ten Zeit­raum Zeit, ein­zu­kau­fen. Wobei immer nur weni­ge Leu­te in den Laden ein­ge­las­sen wer­den (wir haben zwei Tür­ste­her), so dass kein Drän­geln ent­steht und jeder Zeit zum Ein­kau­fen hat. Für jeden Ein­kauf ver­lan­gen wir pro Per­son einen obli­ga­to­ri­schen Euro. Die Kun­den gehen dann durch die Berei­che von Stand zu Stand im Laden und neh­men sich, was Sie wol­len bzw. brau­chen. Wir ach­ten aber dabei dar­auf, dass die Men­gen den Bedarf für eine Woche nicht über­schrei­ten. Somit stel­len wir für unse­re Kun­den eine Voll­ver­sor­gung dar. Was am Abend an ver­derb­li­chen Lebens­mit­teln übrig bleibt, muss dann ent­sorgt wer­den.
        Die Poli­tik mischt sich eigent­lich viel zu wenig ein. Die­se soll­ten unse­rer The­men viel öfter anneh­men und uns unter­stüt­zen. Ich freue mich über jeden Poli­ti­ker, der mal einen Tag vor­bei schaut und mit hilft, so dass er sieht, was mein ehren­amt­li­ches Team hier leis­tet.
      • Was hat sich im Lauf der lan­gen Zeit ver­än­dert und wo lie­gen die Pro­ble­me?
        Die Alters­ar­mut hat zuge­nom­men. Wir haben immer mehr Rent­ner, die mit ihrer Ren­te nicht über­le­ben kön­nen und auf uns ange­wie­sen sind. Rent­ner bekom­men kaum Unter­stüt­zung, gera­de wenn es dar­um geht, For­mu­la­re und Anträ­ge aus­zu­fül­len. Allei­ne sind Sie damit hoff­nungs­los über­for­dert. Hin­zu kommt, dass vie­le Rent­ner sehr zurück­hal­tend sind und ande­ren nichts weg­neh­men wol­len. Flücht­lin­ge dage­gen bekom­men stän­dig Unter­stüt­zung von Hel­fer­krei­sen etc. und haben kei­ne Scheu, alles mit­zu­neh­men.
        Ein ande­res Pro­blem ist, dass bestimm­te Grup­pen die Unter­stüt­zung vom Staat lie­ber in Alko­hol und Ziga­ret­ten inves­tie­ren und dann für die Lebens­mit­tel zu uns kom­men müs­sen und ande­re schi­cken das Geld, wel­ches Sie bekom­men in Ihr Hei­mat­land.
      • Gibt es eine Begeg­nung in Ihrer lang­jäh­ri­gen Tätig­keit als Lei­te­rin der Dach­au­er Tafel die Ihnen in Erin­ne­rung geblie­ben ist?
        Ja, als wir vor 11 Jah­ren die neu­en Räu­me bekom­men haben. Wir haben sehr viel Zeit, Kraft und Ener­gie auf­ge­wen­det, um die Räu­me ent­spre­chend her­zu­rich­ten. Dabei wur­den wir von vie­len Leu­ten und Fir­men unter­stützt.
      • Wie kann man Sie unter­stüt­zen?
        Wir freu­en uns über jede Art von Unter­stüt­zung, sowohl mate­ri­el­le und finan­zi­el­ler Art, als auch über ehren­amt­li­che Mit­ar­beit! Rufen Sie mich an (0173/​976 48 31) oder kom­men Sie Diens­tags (9:00 – 16:00 Uhr) oder Mitt­wochs (9:00 – 12:00 Uhr) vor­bei.

      Micha­el Nie­der­mair und Edda Drit­ten­preis

      Lie­be Edda Drit­ten­preis, Dan­ke für die Zeit, die Sie sich heu­te Nach­mit­tag für uns genom­men haben, DANKE für IHR so groß­ar­ti­ges Enga­ge­ment. Wir wün­schen Ihnen wei­ter­hin viel Kraft und Ener­gie in Ihrem Ehren­amt!

      Clau­dia Kops und Micha­el Nie­der­mair